Jedes Büro stellt irgendwann dieselbe Frage: Wie viel Regal brauchen die Akten wirklich? Die Antwort ist berechenbarer als die meisten Möbelfragen, weil drei ihrer Eingangsgrößen von Gesetz und DIN-Format fixiert sind. Dieser Artikel geht die Rechnung durch, von den Aufbewahrungsfristen über die Ordnermaße bis zu den Laufmetern, bis aus der Regalentscheidung Arithmetik wird statt Schätzung.
Was aufbewahrt werden muss, und wie lange
Das deutsche Handels- und Steuerrecht sortiert Geschäftspapier in drei Fristklassen. Buchungsbelege (Rechnungen, Kontoauszüge, Quittungen) sind acht Jahre aufzubewahren; das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz hat diese Frist von zehn Jahren verkürzt, sie gilt seit 2025. Jahresabschlüsse, Eröffnungsbilanzen und Inventare bleiben bei zehn Jahren. Handels- und Geschäftsbriefe, empfangene wie gesendete, halten sechs Jahre. In jedem Fall beginnt die Uhr mit dem Ende des Kalenderjahres der letzten Eintragung – weshalb Archive sich sauber zum Jahreswechsel lichten: Anfang 2026 dürfen Buchungsbelege bis einschließlich 2017 gehen.
Zwei praktische Anmerkungen gehören neben das Gesetz. Erstens sind das Mindestfristen, und Unterlagen zu laufenden Verfahren oder Prüfungen bleiben über die Frist hinaus. Zweitens regeln die Fristen die Unterlagen, nicht das Medium – ordnungsgemäß digitalisierte Archive verkleinern das Papierproblem an der Wurzel. Das Folgende gilt für das Papier, das bleibt, und das ist in den meisten Büros immer noch eine Wand voll.

Die Ordner-Arithmetik
Der A4-Ordner ist ein genormtes Objekt: etwa 32 cm hoch, 28,5 cm tief, mit Rücken von 80 oder 50 Millimetern. Daraus folgen die drei Zahlen, die jeder Regalplan braucht. Pro Laufmeter stehen rund zwölf breite Ordner bequem mit Blätter-Spiel. Ein voller breiter Ordner wiegt etwa zwei bis zweieinhalb Kilogramm, ein Meter voller Ordner kommt also auf grob 25 bis 30 Kilogramm. Und die Regalebene selbst braucht rund 35 cm lichte Höhe und mindestens 29 cm Tiefe, damit Ordner vollständig gestützt stehen, ohne überzuhängen.
Nun die Mengenschätzung. Man zählt die Ordner, die der Betrieb pro Jahr füllt, eine Zahl, die die meisten kleinen Büros aus dem Bauch kennen, und multipliziert mit den Fristjahren, die für ihren Inhalt gelten. Eine Praxis mit zwanzig Buchungsordnern im Jahr trägt bei acht Jahren Frist im eingeschwungenen Zustand 160 Ordner: gut dreizehn Laufmeter, bevor Zehn-Jahres- und Sechs-Jahres-Klasse und die Arbeitsakten dazukommen, die den Schreibtisch nie verlassen. Der eingeschwungene Zustand ist der nützliche Begriff: Nach dem ersten vollen Zyklus kommt jedes Jahr ein Jahrgang hinzu und einer geht, und das Archiv hört auf zu wachsen.


